Sie kann bereichern – aber sie kann auch überfordern, irritieren oder Spannungen hervorrufen. Nicht jede mitgebrachte Haltung, Praxis oder Norm passt zu dem, was unser Zusammenleben in einer demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft ausmacht: etwa die Abwertung von Frauen, patriarchale Dominanz, religiöse Abschottung oder Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Diese Schattenseiten müssen klar benannt und ihnen muss entschlossen begegnet werden – ohne Pauschalisierung, aber auch ohne Verharmlosung. Denn Vielfalt ist kein Blankoscheck. Damit unser Zusammenleben funktioniert, braucht es ein gemeinsames Fundament: die Achtung unserer Werteordnung, den Respekt vor der Menschenwürde, die Anerkennung des Rechtsstaats und die Bereitschaft, sich zu Gleichberechtigung und Freiheit zu bekennen. Wer Toleranz für sich einfordert, muss sie auch anderen zugestehen – auch jenen, die anders leben, glauben oder denken. Und wer sich dauerhaft verweigert, abschottet oder Parallelstrukturen etabliert, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.